Donnerstag, 12 Dezember 2019

2005 - Ball des Jahres

Walzer, Rumba und Pirouetten im Kopfstand

Breakdance-Weltmeister aus der Schweiz bieten Kontrastprogramm zu Reigen beim „Ball des Jahres“

Walzer, Rumba, Cha-Cha-Cha, mitunter auch mal ein Rock ’n’ Roll – das sind die Tänze, die Besucher einer Tanzgala in aller Regel erwarten. Breakdance dagegen zählt nicht unbedingt zum üblichen Repertoire einer solchen Veranstaltung. Genau damit aber überraschte Hans-Jörg Kießling, Chef der gleichnamigen Chemnitzer Tanzschule, am Sonnabend die Gäste zum „Ball des Jahres“ im Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“.
Die sieben Jungs der „Floor Roc Kidz“ hätten eigentlich schon vor einem Jahr in Zwickau auftreten sollen. Da aber wirbelten sie über ein ganz anderes Parkett – und wurden damit Breakdance-Weltmeister. „Bei der Vorbereitung unserer Bälle suchen wir nach tänzerischen Glanzpunkten. Die ‚Kidz‘ bilden einen Kontrast zu klassischen Turniertänzen. Ich weiß, dass unsere Gäste den sportlichen Wert der Darbietungen hoch schätzen“, sagte Kießling.

Und das, was die deutsch-schweizerische Truppe aufs Parkett legte, konnte sich sehen lassen. Lockere, unkonventionelle Schrittkombinationen, herumwirbelnde Arme und Beine, gewagte Sprünge, Überschläge, Drehungen, Handstände. Der Höhepunkt ihrer Körperbeherrschung allerdings waren die ausschließlich auf dem Kopf gedrehten Pirouetten, noch dazu rasend schnell. Das Publikum hielt mit seiner Begeisterung nicht hinterm Berg. „Das ist der blanke Wahnsinn. Obwohl weder mein Mann noch ich große Tänzer sind, wissen wir natürlich, was dazu gehört, um so was in dieser Perfektion hinzulegen“, urteilte Ballbesucherin Renate Seiler aus Chemnitz.

Irgendwie hatten die jungen Leute wohl mit solchen Reaktionen gerechnet. „Die etwas gesetzter wirkenden Damen und Herren im Saal bewegen sich nach ihrer Musik zwar deutlich langsamer als wir. Trotzdem sind die meisten von ihnen innerlich richtig lebendig. Wir spüren das, wenn wir ordentlich reinhauen und die Leute in unseren Bann ziehen“, verriet der 24-jährige Ömer Ötzbay. Für ihn wie auch für den ein Jahr jüngeren Fabian Kimoto bedeutet Breakdance mehr als tanzen. „Wir sind jetzt seit gut fünf Jahren zusammen. Das ist für eine Gruppe wie wir ziemlich lang. Irgendwann, wenn die Knochen nicht mehr mitspielen und die Akrobatik schwächer wird, werden wir uns vielleicht auch mit klassischen Tänzen beschäftigen“, sagte Fabian.

Und auch in dieser Hinsicht wartete der Ball mit meisterlichen Darbietungen auf und wurde so auch den Vorstellungen der Gäste gerecht, die Turniertänze dem wilden Gewirbel am Boden bevorzugten. Anna Mosmann und Oliver Seefeldt, Vize-Europameister in der Kür lateinamerikanischer Tänze der Professionals, vermittelten einen kleinen Eindruck von ihrem Können. Das wiederum mit feurigem Temperament, künstlerischer Brillanz und atemberaubender Ausdrucksstärke.

Text vom 04.10.2005 von Andreas Wohland aus "Freie Presse", Zwickauer Ausgabe

Adresse

Tanzschule-Kießling - Die Tanzgesellschaft -
im Konzert- und Ballhaus "Neue Welt" Zwickau
verantwortlich: Lutz Felsmann
Telefon: 0176 57 69 7668
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